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Zeitzeuge Georges Shefi

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Zeitzeuge des nationalsozialistischen Terrors, Georges Shefi in der Gesamtschule Türkismühle

„Ich verlange nicht von euch, Verantwortung zu übernehmen für etwas, was vor 70 Jahren passiert ist. Aber ihr sollt etwas aus der Vergangenheit lernen!“, begrüßt Shefi das mit zwei Geschichtskursen der Klasse 11 vollbesetzte Auditorium in Türkismühle.
Shefi, 1931 geboren,  verbrachte seine frühen Jahre als Kind einer gut situierten Berliner Familie, in der er behütet und umsorgt aufwuchs. „Meine Familie fühlte sich 100 % deutsch, mein Großvater hatte im 1. Weltkrieg für den Kaiser gedient.“ Erstmals am 10. November 1938, dem Tag der Reichspogromnacht, ist der damals Siebenjährige dem Terror der Nationalsozialisten ausgesetzt.
Da seine Schule direkt an eine Synagoge angebaut ist, wird sie in dieser Nacht mit angezündet. Sie brennt bis auf die Grundmauern nieder. „Den Anblick meiner verbrannten Schule kann ich nie vergessen. Ebenso die Schmierereien wie „jüdische Sau...“ vor dem Schreibwarenladen eines deutsch- jüdischen Ehepaares in meiner Straße, die diese vergeblich versuchen zu entfernen, umringt von einer johlenden, schadenfrohen Horde…“
Um ihn vor weiteren Nachstellungen der Staatsmacht zu schützen, gibt ihn seine Mutter, die Ehe der Eltern war früh geschieden, in die Kindertransporte, die seitens der englischen Regierung vor dem Hintergrund der Appeasement-Politik in die Wege geleitet werden. Die von den jüdischen Gemeinden in Deutschland finanziell gesicherten Transporte ermöglichen es deutschen Kindern jüdischer Abstammung bis zum Alter von 17 Jahren, Deutschland zu verlassen und nach England auszureisen, um dort in englische Familien aufgenommen zu werden.  Zwei Wochen nach der Kristallnacht fährt der erste Zug aus Berlin. Seine Mutter entscheidet sich dafür, dass George am 26. Juli mitmuss. Obwohl es ihr wohl das Herz zerreißt, schildert sie dem kleinen Siebenjährigen die Fahrt als bevorstehendes Abenteuer, er solle unbedingt alle seine Spielsachen mitnehmen. Am Gleis sieht er seine Mutter zum letzten Mal in seinem Leben.
Die Fahrt selbst bekommt er kaum mit. Zum Glück wird er von Verwandten abgeholt. Vielen ergeht es nicht so: Die kleineren hübschen Kinder werden gleich aufgenommen, die mit einer „krummen Nase“ kommen als billige Arbeitskraft in irgendwelche Haushalte. „Viele Kinder fühlten sich damals ohne ihre Familien und völlig ohne Englischkenntnisse wie auf dem Mond.“  Erst war er bei einer christlichen, dann bei einer jüdischen , sehr religiösen Familie einquartiert und wurde halbwegs gut behandelt. Im Frühjahr 1945 , mit dreizehn Jahren, erhält er Bescheid, innerhalb von 24 Stunden mit einem Kriegsschiff in die USA übersetzen zu können.  Kanadische Soldaten, die in ihre Heimat zurückfahren, adoptieren ihn regelrecht. Er erhält einen Schuhkarton mit Schokolade, Zigaretten und 40 Dollar, damals sehr viel Geld. Der Transport wird von deutschen U-Booten angegriffen. Die „Action“ gefällt ihm. Seinen Onkel, einen Bruder der Mutter, der ihn in New York abholen soll, kennt er nicht mal. Die später vorgeschlagene Adoption durch den Onkel lehnt er ab. Warum, weiß er bis heute nicht.
Erst nach neun Jahren kann er in Israel Kontakt zu seinem Vater über seinen ursprünglichen Namen „Spiegelglas“ aufnehmen. Dokumente über seine Mutter fand er in Ausschwitz und im Bundesarchiv in Koblenz. Wegen fehlender weiterer Transportnummern schließt er, dass alle seine Verwandten keine sechs Stunden in Ausschwitz überlebten.
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Begleitet wurde George Shefi von seiner Frau, Tochter und Enkelsohn. Die Veranstaltung fand statt in der Schülerbibliothek der Gesamtschule Türkismühle statt, unterstützt durch  das Adolf-Bender-Zentrum St. Wendel und der Landeszentrale für politische Bildung.


 
 
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